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Palmöl

Palmöl ist das billigste und meistverwendete Planzenfett überhaupt. Guezli, Fertigpizza, Waschmittel, Schokolade: Jedes zweite Produkt im Supermarkt enthält das Öl. Auf Grund der explosionsartig gewachsenen Nachfrage – hauptsächlich von Industrienationen – werden riesige Flächen Regenwald abgeholzt, um neue Palmölplantagen anzulegen. Jährlich eine Fläche so gross wie der Kanton Bern. Die Abholzung des Regenwalds und das Anlegen der riesigen Monokulturen hat sowohl lokal wie auch global zahlreiche negativen Auswirkungen: Seltene Tiere und Pflanzen verlieren ihren Lebensraum, die Klimaerwärmung schreitet voran, Menschen mangelts an sauberem Trinkwasser und der natürliche Schutz vor Naturkatastrophen, wie Tsunamis, ist nicht mehr gewährleistet.

PanEco’s Aktivitäten im Bereich Palmöl:

  • Wir sensibilisieren und informieren die Schweizer Bevölkerung.
  • Wir sammeln Beweismaterial und überführen auf Sumatra illegal handelnde Palmölkonzerne.
  • Als Mitglied der Koalition für die Ausnahme von Palmöl im Freihandelsabkommen Schweiz–Indonesien/Malaysia setzten wir uns beim Schweizer Parlament für die Förderung von Schweizer Pflanzenfette anstelle von Palmöl ein.
  • In der aktuellen Sonderausstellung des Naturzentrums Thurauen begeistern wir Besucherinnen und Besucher für die Artenvielfalt im Regenwald und rufen zu derem Schutz und einer Reduzierung des Palmölkonsums auf.
  • Wir betreiben Feldforschung, um die Auswirkung von Palmölplantagen auf die Artenvielfalt zu untersuchen.
  • In unserer Forschung zeigten wir in einen mehrjährigen Pilotversuch, dass man Palmöl auf Brachflächen erfolgreich anbauen kann.

Was muss ich als Konsumentin und Konsument beachten?

Der einfachste Weg, um Regenwald zu schützen ist es, den Konsum von Palmöl drastisch zu senken. Würden wir auf Palmöl im sogenannten «Biodiesel» verzichten und Konsumgüter, wie Schokolade, Süss- und Knabberwaren sowie Fertiggerichte bewusst verbrauchen, könnte 50% des Palmölverbrauchs eingespart werden.

Seit dem 1.1.2016 besteht in der Schweiz eine Deklarationspflicht auf Inhaltststoffe in Lebensmittel. Das Palmöl auf der Liste der Inhaltsstoffe ist seither klar ausgewiesen und erkennbar. Das Problem liegt im Kosmetik- und Reinigungsmittelbereich, da es dort (noch) keine Deklarationspflicht gibt. Um herauszufinden, welche Produkte (insbesondere im Non-Food-Bereich) Palmöl enthalten (können), gibt es zwei Möglichkeiten:

  • Die App «CodeCheck» zeigt mittels einem Scan des Strichcods auf Ihrem Smartphone an, ob das Produkt Palmöl enthält.
  • Kenntnisse der Inhaltsstoffe ermöglichen es, potentielle palmölhaltige Bestandteile zu erkennen (Z.B. Glycerin, Lauroyl, Stereate).

Zusammengefasst heisst das: Kochen und essen Sie frisch und saisonal, wenden Sie Produkte im Supermarkt und lesen Sie die Inhaltsstoffe. Wann immer es geht: Entscheiden Sie sich für ein Produkt ohne Palmöl.

Was ist Palmöl überhaupt?

Palmöl wird aus der sehr ertragsreichen Ölpalme gewonnen, welche ursprünglich aus Afrika stammt.  Sie sind deshalb so effizient, da sie jedes Jahr geerntet werden können. Die Früchte der Ölpalme werden entweder zu Palmöl oder zu Palmkernöl verarbeitet.

In den 1990er Jahren wurde das Palmöl, dank seinen positiven Eigenschaften, von den Produzenten entdeckt. Immer häufiger wird das Öl für die Herstellung von Lebensmitteln, Kosmetika oder Waschmittel oder auch als Bestandteil von Treibstoffen wie Biodiesel importiert. Daraus resultiert ein weltweiter Palmölboom, welcher nicht nur die Preise senkt, sondern auch den Palmölmarkt in Südostasien, insbesondere in Indonesien und Malaysia befeuert. Dieser Boom hält bis heute an.

Die Ölpalmen-Plantagen werden in Monokulturen auf dem Land des Regenwalds angebaut. Dazu muss der Regenwald weichen und wird sowohl legal oder auch illegal mit Brandrodungen niedergestreckt.

Das ist in nicht nur deshalb schwierig, weil das Weichen des Regenwalds für die Natur und die Umwelt in Katastrophen endet, sondern auch aus folgendem Grund: Unsere Untersuchungen zeigen, dass  Ölpalmen auch auf Brachland ebenso ertragsreich angepflanzt  werden können.

Gibt es nachhaltiges Palmöl?

Nein. Oft werden Produkte als nachhaltig deklariert, die RSPO- zertifiziertes Palmöl enthalten. Der «Runde Tisch für Nachhaltiges Palmöl» (RSPO) ist ein weltweites Zertifizierungssystem. Rund 20% des Palmöls ist nach diesen Richtlinien zertifiziert. Die Stiftung PanEco war RSPO-Mitglied seit deren Gründung, weil wir die Idee äusserst unterstützungswert finden. Im Mai 2016 haben wir unsere Mitgliedschaft jedoch gekündigt. Der Grund: Über Jahre hinweg wurden Verstösse von Mitglieder gegen die RSPO-Richtlinien nur selten untersucht und blieben fast immer ohne Konsequenzen. Ausserdem wurde die schwache interne Organisation und die ineffizienten Prozesse auch nach jahrelangen Kritik nicht optimiert und eine neu eingeführte Regel besagt, dass der RSPO von seinen Mitgliedern nicht kritisiert werden darf. Dahinter konnte PanEco nicht mehr stehen.

Folglich sind wir der Meinung, dass der Konsum von RSPO-Palmöl zwar besser ist als Produkte mit herkömmlichen Palmöl zu kaufen, jedoch kann dabei bei weitem nicht von «Nachhaltigkeit» gesprochen werden. Um den Regenwald schützen zu können, ist die Reduktion des Konsums von Palmöl unabdingbar.

Warum ist Palmöl umstritten?

Die Anbaufläche für Ölpalmen in Indonesien wurde in den letzten 30 Jahren kontinuierlich vergrössert und zwar von 2’300 km2 im Jahr 1981 auf 90’000 km2 im Jahr 2015, bei einer jährlichen Wachstumsrate von zuletzt 5 Prozent – Tendenz steigend.

Um Platz zu bekommen für neue und immer grössere Plantagen, haben Palmölproduzenten die Regenwälder Indonesiens und Malaysias gerodet und Sumpfgebiete trocken gelegt. Dadurch schufen sie die Bedingungen für immer wiederkehrende Torf- und Waldbrände, deren giftiger Rauch im letzten Jahr nach Schätzungen einer aktuellen Studie 100’000 Todesopfer forderte, über 91’000 alleine in Indonesien.

Ein weiteres grosses Problem ist die Freisetzung von Unmengen von Treibhausgasen. Der Regenwaldboden – speziell der Torfboden im Sumpfregenwald – speichert CO2 seit Tausenden von Jahren. Wird der Wald abgeholzt und der Boden trocken gelegt, entweicht das gespeicherte CO2 in die Atmosphäre. Bei den massiven Bränden im September 2016 wurde zum Beispiel so viel Treibhausgase freigesetzt, wie die gesamte US-amerikanische Wirtschaft in einem Jahr emitiert.

Eine Palmölplantage macht zwar auch einen grünen Eindruck ist aber eine Katastrophe für die Artenvielfalt des Gebiets. Studien von PanEco haben gezeigt, dass die Vielfalt an Tier- und Pflanzenarten nicht nur innerhalb der Monokultur, sondern sogar in den umliegenden Wäldern drastisch abnimmt.