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«ICH BEKOMME JEDES MAL DIESEN ‹KICK›, WENN ICH FREIGELASSENE ORANG-UTANS IN DEN BÄUMEN SEHE» Ian Singleton mit einem Orang-Utan-Baby Full view

«ICH BEKOMME JEDES MAL DIESEN ‹KICK›, WENN ICH FREIGELASSENE ORANG-UTANS IN DEN BÄUMEN SEHE»

Dr. Ian Singleton, Leiter unseres Orang-Utan-Schutzprogramms auf Sumatra ist bei uns zu Besuch im Zürcher Weinland. Am PanEco-Regenwald-Festival erzählt der Brite von seiner Arbeit, seinem Werdegang und vor allem Vieles über die Orang-Utans.

Was war dein schönstes Erlebnis bei deiner Arbeit mit den Orang-Utans?
Ian Singleton: Ich bekomme jedes Mal diesen «Kick», wenn ich ein paar freigelassene Orang-Utans in den Bäumen des Regenwaldes sehe. Insbesondere, wenn ich daran denke, in welcher Situation mein Team sie gefunden hat: Eine Kette um den Hals, mitten im Dreck angebunden. Dann denke ich mir: Dieses Tier ist jetzt frei in den Bäumen. Es lebt dort für weitere 50 Jahre und gründet eine Familie, eine neue Population. Das macht alle Niederlagen und die harte Arbeit wett.
Das Schlimmste hingegen ist die Gewalt. Die Umstände, wie die Tiere leben und sterben sind unfassbar. Es ist schlimm zu wissen, dass Orang-Utans uns Menschen rein körperlich eigentlich überlegen sind – sie haben vier Hände, mit denen sie sich verteidigen können und sind fünf Mal stärker als wir. Ein Mensch kann aus eigener Kraft im Kampf mit einem Orang-Utan nicht gewinnen. Um einer Mutter das Baby weg zu nehmen, muss sie bewusstlos geschlagen oder getötet werden. Das wird mit einem solchen Mass an gedankenloser Gewalt gemacht! Es ist echt schockierend zu sehen, wie weit die Menschen gehen.

Wie motivierst du dich für deine Arbeit?
Ian Singleton: Das frage ich mich jeden Morgen aufs Neue… Es ist ein einziges Auf und Ab. Die Bürokratie und Korruption ringen einem nieder und manchmal würde ich fast das Handtuch werfen. Aber in der nächsten Woche wird wieder etwas Spektakuläres geschehen, das es Wert ist weiterzumachen. Wenn wir diese Tiere retten, sie über Jahre aufziehen und schliesslich im Regenwald freilassen können, ist dies Motivation genug. Das ist es, was mich immer wieder anspornt und was mich weiter treibt.

Was fasziniert dich an den Orang-Utans? Ist es die Verwandtschaft zu uns Menschen?
Ian Singleton: Es gibt Vieles an den Orang-Utans, das mich fasziniert und verblüfft! Orang-Utans sind bekannt für das intelligente Nutzen von Werkzeugen und sind die kreativsten Tiere überhaupt. Ich muss immer aufpassen, dass sich Nichts in ihrer Reichweite befindet, da sonst schnell etwas verschwindet. Auch in der Wildnis konnte solches Verhalten beobachtet werden.
Ironischerweise sind es aber schliesslich die Unterschiede zu uns, die ich am interessantesten finde: Orang-Utans sind ziemlich egoistisch und ihre erste Priorität sind sie selbst. Ich habe auch mit Gorillas gearbeitet. Diese orientieren sich viel mehr an ihrer Familie. Wenn zwei Junge kämpfen, kommen Andere, um den Streit zu schlichten. Hingegen können zwei Orang-Utans streiten und keiner kümmert sich. Der Grund für dieses Verhalten liegt an ihren Essgewohnheiten. Wenn zwei Bäume, die Früchte tragen, einen Kilometer auseinander liegen, muss ein Orang-Utan weit wandern, um satt zu werden. Teilt er seine Früchte mit einem anderen Orang-Utan, muss er für dieselbe Menge viel weiter gehen. Der Orang-Utan ist also eher der Junge auf dem Schulhof, der heimlich seine Süssigkeiten in der dunklen Ecke isst, um sie nicht teilen zu müssen.

Wie bist du überhaupt dazu gekommen, dich auf Sumatra mit diesen Tieren zu beschäftigen? Erzähl uns deine Geschichte!
Ian: Als Teenager habe ich viele Bücher über die Wildnis und das Leben in der freien Natur gelesen. Da wusste ich, dass ich dort arbeiten möchte. Ich wurde Tierpfleger in England und als ich später nach Jersey ging, um in einen Zoo für den Schutz bedrohter Tierarten zu arbeiten, traf ich das erste Mal auf Orang-Utans. Ich begann meine Ferien in Indonesien zu verbringen, um mehr über diese Menschenaffen zu lernen. Nach acht Jahren verliess ich schliesslich den Zoo, um meine Doktorarbeit über die wilden Orang-Utans auf Sumatra zu schreiben. In dieser Zeit habe ich Regina Frey, die Gründerin der Stiftung PanEco, kennen gelernt und habe seither das Vergnügen, für PanEco zu arbeiten.

Erfahren Sie dieses Wochenende mehr über Ian Singleton am PanEco-Regenwald-Festival. Der Experte spricht am Samstag Abend, 29. August, über das Sumatra-Orang-Utan-Schutzprojekt und seine Arbeit mit den Tieren vor Ort.

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