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SUMATRA-ORANG-UTAN-POPULATION IST DOPPELT SO GROSS, ALS BISHER ANGENOMMEN – DOCH SO BEDROHT, WIE NOCH NIE Bahnbrechende neue Studie beweist: Die Population der Sumatra-Orang-Utan ist doppelt so gross, wie bisher angenommen aber so bedroht, wie noch nie. Full view

SUMATRA-ORANG-UTAN-POPULATION IST DOPPELT SO GROSS, ALS BISHER ANGENOMMEN – DOCH SO BEDROHT, WIE NOCH NIE

Bereits ging es um die Welt: Die neue Studie des SOCP-Teams rund um Ian Singleton und Serge Wich zeigt auf, dass auf Sumatra über 14‘000 der stark gefährdeten Sumatra-Orang-Utans leben. Das sind mehr als doppelt so viele, wie bisher angenommen. Dies bedeutet aber nicht, dass die Population zugenommen oder ihr Lebensraum sich ausgeweitet hat. Die neue Zahl weist lediglich auf eine genauere Analyse und exaktere Daten hin, als in der letzten Zählung von 2004. Dort hatte man die Population der Orang-Utans auf Sumatra auf nur rund 6600 Tiere geschätzt.

Das Forschungs-Team des Orang-Utan-Schutzprogramms hat zusammen mit weiteren Forschenden vor wenigen Tagen eine bahnbrechende Studie im renommierten Wissenschaftsmagazin Science Advances publiziert. Sie zeigt unter anderem auf, dass die Population der Menschenaffen auf Sumatra mehr als doppelt so gross ist, wie bisher angenommen. Die Autoren der Studie schätzen die Population auf über 14‘000 Exemplare – bisher ging man von nur rund 6600 Orang-Utans aus.

Dr. Ian Singleton, Leiter des Orang-Utan-Schutzprogramms betont, dass die neue Studie auf keinen Fall falsch interpretiert werden darf: Weder ist der Bestand der Sumatra-Orang-Utans gewachsen, noch hat sich ihr Lebensraum ausgeweitet. Vielmehr wurde ihr Lebensraum früher weit unterschätzt. Neue Technologien, wie z.B. Drohnen, ermöglichen Forscher-Teams, aus der Luft auch in abgelegenen Gegenden Orang-Utan-Nester zu zählen. So wurden Orang-Utans bei den neusten Zählungen, entgegen den Erwartungen, auch in degradierten Wäldern sowie z.B. westlich vom Lake Toba entdeckt. Besonders spannend ist, dass Orang-Utan-Populationen auch in sehr hoch gelegenen Regionen von bis zu 1500 Metern über Meer gefunden wurden. Bisher ging man davon aus, dass Orang-Utans nur in Tiefland-Regenwälder vorkommen, die auf maximal 900 M.ü.M gelegen sind. Noch ist nicht klar, ob die Tiere durch die fortschreitende Zerstörung des Regenwalds in höhere Gebiete gedrängt wurden, oder schon immer dort lebten.

Dr. Ian Singleton, Leiter des Orang-Utan-Schutzprogramms und Mitautor der Studie betont die starke Bedrohung der Orang-Utans und deren Lebensraum:
«We see huge areas of forests being cleared in Sumatran orangutan habitat every year. We also see numerous roads being cut through the forests opening up even greater access to new agricultural expansion, settlements and other encroachment. Furthermore, our own orangutan quarantine centre in North Sumatra receives around 25 to 30 confiscated illegal pets every year as well. For each one of those that arrives there are almost certainly others that didn’t make it that far, and for every one of them their mother was killed during capture. Add to that the numbers of males killed each year and we’re already losing at least 100 or so orangutans each year, that are deliberately killed by people. Then factor in all those that die of starvation and malnutrition as their habitat is increasingly taken away from them, and they’re forced to try and survive in ever smaller and more impoverished patches of forest, and we’re probably talking several hundred, if not thousands being lost each year.»

Obwohl eindeutig mehr Sumatra-Orang-Utans existieren, als bisher angenommen, ist die Spezies heute so bedroht, wie noch nie zuvor – vor allem durch die anhaltende Zerstörung des Regenwalds, das Töten von Orang-Utans und den Handel mit Jungtieren. Ein in der Studie publiziertes Szenario zeigt auf, dass bis 2030 rund 33% der noch verbleibenden Sumatra-Orang-Utans alleine auf Grund des Verlusts ihres Lebensraums sterben. Wie viele weitere Orang-Utan Opfer von Wilderei oder illegalem Handel werden würden, bleibt im Dunkeln.

90% der heute noch verbliebenen Sumatra-Orang-Utans leben im Leuser Ökosystem – einem 26’000 Quadratkilometer grossen Regenwaldgebiet im Norden von Sumatra, das durch strenge indonesische Gesetze geschützt ist. Durch ein neues Raumplanungsgesetz der Provinz Aceh, welches die nationalen Naturschutzgesetze ignoriert, ist diese letzte Bastion der Sumatra-Orang-Utans stark bedroht. Das Raumplanungsgesetz sieht vor, grosse Flächen des Leuser Ökosystems für Palmölplantagen freizugeben und diese durch Strassenbau zu erschliessen.

Unser Team des Orang-Utan-Schutzprogramms arbeitet mit Herzblut daran, dass die Orang-Utans und die Regenwälder, in denen sie zuhause sind, besser geschützt werden. Denn das Überleben dieser Art hängt nicht von der Anzahl der Exemplare ab, sondern vom langfristigen Erhalt ihres Lebensraums, wie Dr. Ian Singleton ebenfalls betont:
«By far the simplest and most cost effective way to prevent the extinction of the Sumatran orangutan is to fully protect the Leuser Ecosystem. Aside from its orangutans the Leuser Ecosystem represents the only real hope for the survival of Sumatran tigers, rhinos, and elephants as well. An intact Leuser Ecosystem is also essential for the livelihoods and long term prosperity of Aceh’s human population too, providing the numerous essential ecosystem services and protection from flash floods and other environmental disasters that it does. To save the Sumatran orangutan we simply have to save the Leuser Ecosystem. Its destruction and the extinction of this and other magnificent species just cannot be allowed to happen!»

> Erfahren Sie mehr über unsere Forschungsarbeit und unser Engagement, den Regenwald als Lebensraum für Pflanzen, Tiere und Menschen zu erhalten.
> Lesen Sie die wissenschaftliche Studie in «Science Advances» (en)