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ORANG-UTAN-SCHUTZ ZU ZEITEN VON CORONA: UPDATE Islo, ein männlicher Orang-Utan, wird im Regenwald von Suaq von Forschenden begleitet. Das ältere Männchen zeigt sich nur selten und wenn, dann meist zu Zeiten, wo andere Orang-Utans mangels reichem Nahrungsangebot eher in anderen Teilen des Regenwalds unterwegs sind. 2007 begegneten die Forschenden Islo das erste Mal. Seit 2014 wurde er nur noch wenig gesichtet, da er da sein Territorium nahe der Forschungsstation an ein anderes Männchen verloren hatte. Zu Zeiten von Corona ist er nun wieder aufgetaucht. (©Hadi/SUAQ Project) Full view

ORANG-UTAN-SCHUTZ ZU ZEITEN VON CORONA: UPDATE

Wir erstellen Schutzkonzepte, planen Personal neu, verschärfen die Hygienemassnahmen in der Auffang- und Pflegestation, legen Notvorräte für Futter an, pausieren Orang-Utan-Wiederansiedlungen sowie die Regenwaldschule für junge Orang-Utans und bauen neue Gehege. So sieht die Arbeit zum Schutz der Orang-Utans im Ausnahmezustand aus.

Das Orang-Utan-Schutzprogramm ist vom Coronavirus stark betroffen. Die Herausforderungen, die die Pandemie mit sich bringt, lassen sich in drei Kategorien einteilen: Erstens bedroht Covid-19 die Orang-Utans direkt, da die Ansteckungsgefahr vom Menschen zum Orang-Utan gross ist. Zweitens ist unser Team vor Ort, wie alle Menschen, nicht vor einer Ansteckung sicher. Und zum dritten könnte die Versorgung der Orang-Utans in der Auffang- und Pflegestation kritisch werden.

Der letzte Punkt betrifft zum einen die Zahl der vorhandenen Gehege. Mit über 70 Orang-Utans ist die Auffang- und Pflegestation voll belegt. Erreichen uns in der nächsten Zeit immer mehr Orang-Utans, werden wir mehr Platz und Gehege brauchen, wo wir die Tiere isoliert unterbringen können. Der Bau von zusätzlichen Gehegen hat bereits begonnen. Zum anderen könnte die Versorgung der Orang-Utans mit Futter wegen ausbleibender Futterlieferung knapp werden. Wir erwarten, dass das Futter besonders in den nächsten Wochen besonders gut eingeteilt werden muss, da der Zugang zu frischem Futter wie Früchte und Gemüse erschwert wird. Am 24. und 25. Mai findet in Sumatra das traditionelle Fest zum Fastenbrechen «Eid al-Fitr» statt. Zu diesem Anlass reisen üblicherweise viele Indonesierinnen und Indonesier heim zu ihren Familien. Die Regierung Sumatras versucht diese Reisen durch Strassensperren zu verhindern. Die blockierten Strassen führen jedoch dazu, dass auch das Futter nicht mehr in die Auffang- und Pflegestation gebracht werden kann. Damit die Tiere zu jedem Zeitpunkt optimal versorgt sind, bauen wir gegenwärtig einen Vorrat mit länger haltbarem Futter, zum Beispiel von Rosinen und Sonnenblumenkernen, auf. Nicht nur die Strassensperren bedrohen die Futterversorgung der Tiere. Die Preise der Frischware sind wegen der erhöhten Nachfrage und der erschwerten Logistik gestiegen.

Die Liste der Massnahmen, die in Zusammenhang mit dem Virus stehen, ist lang:  hohe Futterkosten, der Bau zusätzlicher Gehege, um den möglichen Ansturm an neuen Orang-Utans und die gestiegenen Quarantäne-Anforderungen bewältigen zu können, aufwändige Anpassungen für die räumliche Trennung von Mensch und Tier und das Einführen von zusätzlichen Hygienemassnahmen. Das alles führt in der Auffang- und Pflegestation zu einem nicht-budgetierten Mehraufwand von knapp CHF 100‘000 für dieses Jahr.

Die Betriebe der Auswilderungsstation in Jantho sowie der Forschungsstationen laufen unter Einhaltung von Sicherheitsmassnahmen weiter. In Jantho werden zurzeit keine neuen Orang-Utans wiederangesiedelt. Zu gross wäre die Gefahr den Virus in die neu aufgebaute Population zu tragen. Der Transport von der Auffang- und Pflegestation nach Jantho ist nicht möglich. In der Forschungsstation von Suaq, wo eine Population Orang-Utans von einem Forschungsteam der Universität Zürich beobachtet wird, läuft die Erfassung der Langzeitdaten wie gewohnt weiter. Nur die ausländischen Studierenden mussten Ende März nach Hause in die Schweiz zurückkehren. Dadurch, dass ein indonesisches Team vor Ort die Daten weiterhin sammeln kann, ist die Fortführung der Datenerhebung gesichert.

Die Herausforderungen für das Orang-Utan-Schutzprogramm sind enorm. Wir sind jedoch sehr froh, dass wir auf eine funktionierende Zusammenarbeit mit anderen internationalen Organisationen für den Schutz von Menschenaffen zählen dürfen. Wir alle sind in unseren jeweiligen Projekten mit derselben Gefahr durch den Virus konfrontiert und zusammen schützen wir  Menschenaffen wirkungsvoll – auch vor dem Virus. Um diese Krise bewältigen zu können, sind wir jedoch auf zusätzliche Hilfe angewiesen. Wir sind dankbar für jegliche Unterstützung.

Ian Singleton, der Leiter des SOCP, berichtet von der Baustelle der zusätzlichen Quarantäne-Gehege aus der Auffang- und Pflegestation:

> Die Massnahmen in der Auffang- und Pflegestation in einem ersten Schritt
> Sie wollen uns unterstützen? Nichts einfacher als das!