Topbar widget area empty.
POTENTIELL GEFÄHRDET, VOM AUSSTERBEN BEDROHT, AUSGEROTTET: DER FISCHADLER Erst zum zweiten Mal in der Geschichte der Greifvogelstation kommt ein Fischadler als Patient: Dieser hier trägt einen Ring von der Vogelwarte Hiddensee, Ost-Deutschland. Full view

POTENTIELL GEFÄHRDET, VOM AUSSTERBEN BEDROHT, AUSGEROTTET: DER FISCHADLER

Höchst selten kann man Fischadler hierzulande beobachten. Wenn, dann zur Zugzeit am Himmel entlang eines Gewässers. Nur selten also treffen ihn unsere Ranger in den Thurauen hoch über Thur oder Rhein an. Nun jedoch ist einer, der schweizweit ausgestorbenen Vögel in der Greifvogelstation als Patient.

Der Fischadler wurde am 18. August in die Greifvogelstation Berg am Irchel eingeliefert. Die Tierrettung des Tierheims Pfötli holte das völlig erschöpfte Tier in einem Fischzuchtbetrieb im aargauischen Rheinsulz ab und brachte ihn zu uns in den Pflegebetrieb.Der Betreiber der Fischzucht entdeckte den ermüdeten Greifvogel im Wasser seiner Anlage. Obwohl eigentlich im Schlaraffenland gelandet, wirkte das Tier teilnahmslos. Schnell stellte sich heraus: Der Vogel fliegt nicht mehr.

Der erste medizinische Check des Adlers, gleich nach Ankunft in der Greifvogelstation, stimmte uns erfreulicherweise positiv. Der Fischadler ist unverletzt. Die vorsichtige Diagnose lautet Erschöpfung. Zum Glück frass der neue Patient bereits kurz nach Ankunft mit grossem Appetit. Vorerst befindet sich der Fischadler in einer Flugkammer. Das Greifvogelstations-Team kann ihm da die Ruhe zur Erholung gönnen und gleichzeitig sein Fressverhalten und die allgemeine Gesundheit überprüfen. Als nächster Schritt wird sein Flugverhalten in der grossen Flugvoliere überprüft. Wenn alles nach Plan läuft, kann das hübsche Tier in einigen Tagen bis Wochen wieder in die Freiheit entlassen werden.

Fischadler sind in der Schweiz seit über hundert Jahren ausgestorben. Der Fischadler wurde durch Abschüsse ausgerottet. Der Mensch verhinderte damit, dass Fischadler in der Schweiz brüten, und das, obwohl das Gebiet der Schweiz sich durch die vielen Seen und Flüsse gut als Lebensraum für die Art eignen würde. Selten, doch immer mal wieder, wird der Fischadler zu Zugszeiten (März bis Mai und August bis Oktober) in der freien Natur beobachtet. In der Greifvogelstation war bisher erst einer zur Pflege. Dieser konnte im Jahr 2017 erfolgreich im Kanton Fribourg wieder freigelassen werden.

Die Organisation «Nos Oiseaux» setzt sich seit einigen Jahren mit grossem Engagement im freiburgischen Bellechasse für diese spezifische Art ein. Einige Jungtiere wurden dadurch bereits zwischen Murten-, Neuenburger- und Bielersee wiederangesiedelt. Einige Jungtiere wurden dadurch bereits zwischen Murten-, Neuenburger- und Bielersee wieder ausgesetzt. Bis diese ausgesetzten Tiere jedoch in der Schweiz brüten, brauchen Artenschützerinnen und Artenschützer einen langen Atem. Denn nur wenn viele Faktoren zusammenpassen, kehrt eine Art zurück in ein Gebiet.

> Die Schweizerirische Initiative für Fischadler
> Im Jahr 2017 war der letzte Fischadler in der Greifvogelstation