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REGENWALD GEGEN RACLETTE UND RÖSTI EINGETAUSCHT Citra bei ihrer täglichen Arbeit in Indonesien Full view

REGENWALD GEGEN RACLETTE UND RÖSTI EINGETAUSCHT

Seit drei Jahren arbeitet die Tierärztin Citra Nente für unser Sumatra Orang-Utan Schutzprogramm, SOCP, als Verantwortliche für den Prozess der Rehabilitierung und Wiederansiedlung. Für Orang-Utans setzt sich die, von Sulawesi stammende, Tierärztin mittlerweile seit über 20 Jahre ein. Während zwei Wochen präsentierte sie zusammen mit SOCP-Leiter Ian Singleton ihre Arbeit und Updates aus dem Schutzprogramm an öffentlichen und privaten Anlässen in der ganzen Schweiz . 

(Redaktion) Was war dein erster Eindruck, als du in die Schweiz kamst?
(Citra Nente) Mir gefiel die Farbe des Waldes wirklich sehr gut. Ich habe noch nie den Herbst gesehen. Die braunen und gelben Blätter waren der Wahnsinn! Das gibt es in Indonesien eigentlich nie.

(R) Hattest du ein Bild der Schweiz im Kopf? Hat das Land deine Erwartungen erfüllt?
(CN) Ja! Die Schweiz ist genau so schön wie erwartet. Für mich sieht es aus wie in einem Kalender. Alle Landschaften sind so idyllisch: die Natur, die Städte, die Dörfer, aber auch die Kühe auf den Weiden.

(R) Wie unterscheiden sich die Schweiz und Indonesien?
(CN) Der grösste Unterschied ist wohl die Sauberkeit. Die Schweiz ist sehr ordentlich und überhaupt nicht dreckig. Zudem hat es in der Schweiz viel mehr Platz; Indonesien ist  um einiges dichter bevölkert. Auch wenn die Schweiz wirklich wundervoll ist, empfinde ich Indonesien nicht als weniger charmant, denn da lächeln einen fremde Menschen zum Beispiel an.

(R) Was hat dir an der Schweiz gefallen? Was eher nicht?
(CN) Die wahrscheinlich größte Herausforderung für mich war das garstige und kühle Wetter. An den Regen bin ich mich gewöhnt, da wir in Indonesien neben der Trocken- auch eine Regenzeit haben. Was mir aber zu schaffen machte, war die Kälte. Weil es in Indonesien nie frostige Temperaturen gibt, war es eine komplett neue Erfahrung für mich. Ich konnte dem Wetter aber Positives abgewinnen, wie allen neuen Erfahrungen, die ich in der Schweiz machen durfte. Als ich zum Beispiel das erste Mal Raclette probierte, hat es mir so gut geschmeckt! Ich entwickelte eine Vorliebe für Schweizer Käse. Das ist ein kleines Desaster, da wir in Indonesien wirklich gar keinen Käse essen und nicht einmal kaufen können. Ich werde ihn vermissen.

(R) Du hast zahlreiche Vorträge über deine Arbeit gehalten? Welcher war dein Lieblingsanlass?
(CN) Mir haben alle Anlässe gut gefallen, jedoch hatte ich am Patenschaftsnachmittag in Zürich am meisten Spass. Der Anlass war speziell auf Orang-Utan-Patenschaften ausgerichtet und ich konnte meine Präsentation entsprechend anpassen. Bei den anderen Vorträgen war der Inhalt immer ähnlich. Bei ersterem konnte ich ein bisschen etwas anderes erzählen und tiefer auf die speziellen Eigenschaften der Patentiere Ramadhani, Deka und Lewis eingehen.

(R) Du konntest auch einen Anlass, eine Vorlesung von Jane Goodall, einer bekannten Verhaltensforscherin von Schimpansen, besuchen. Wie war es?
(CN) Ich glaube es war der Höhepunkt meines Aufenthalts! Wir haben sie im Anschluss sogar persönlich getroffen. Sie ist eine sehr beschäftigte Frau, darum war es sehr nett von ihr, sich mit Ian Singleton, Regina Frey (Anm. d . Red.: Leiter SOCP und Stiftungsratspräsidentin PanEco) und mir zu treffen.

(R) Würdest du sagen, dass sie dein Vorbild ist?
(CN) Ja, auf jeden Fall. Ihre Arbeit und Bemühungen inspirieren mich. Nicht nur von ihr konnte ich Vieles lernen, sondern auch von Ian Singleton und Regina Frey. Alle drei haben erheblich zum Natur- und Artenschutz im Bereich der Menschenaffen beigetragen. Das Aussergewöhnliche ist, dass sie zwar fleissig und entschlossen sind, aber auch bescheiden. Diese Bescheidenheit bewundere ich sehr.

(R) Du konntest den Besuch einiger Schweizer Sehenswürdigkeiten in deinen vollen Terminkalender aufnehmen. Welcher Ort hat dir am besten gefallen?
(CN) Der Rheinfall war fantastisch! Auch das kleine Städtchen mit den schönen Fassaden (Anm. d. Red.: Stein am Rhein) hat mir ganz gut gefallen. Natürlich auch der Wald auf dem Irchel! Dort konnte ich die schönen farbigen Herbstblätter aus nächster Nähe sehen.

(R) Du hast jetzt alle drei Programme von PanEco besucht, wie war das für dich?
(CN) Ich habe die Greifvogelstation sehr spannend gefunden, obwohl ich eigentlich kein Vogelmensch bin. Von Mark und Andi konnte ich viel lernen. (Anm. d. Red.: Mark Ormiston und Andi Lischke, Stv. Leiter und Leiter der Greifvogelstation Berg am Irchel) Auch das Naturzentrum Thurauen hat mir gut gefallen. Wir haben einen Spaziergang durch die Thurauen gemacht und die Revitalisierung der Thur angeschaut. Für mich war das besonders interessant und relevant, da man in Indonesien gegenwärtig anfängt, Flüsse und Flussufer mit Mauern zu begradigen. Hier in den Thurauen hat man aber die Erfahrung gemacht, dass es besser ist, dem Fluss seinen natürlichen Lauf zu lassen.

(R) Was hat dich dazu bewegt, Tierärztin zu werden?
(CN) Als ich noch ein Kind war, habe ich erlebt, wie eine Katze Junge gebar und Komplikationen auftraten. Ich wollte dem Tier helfen, wusste aber nicht wie. Später entdeckte ich den Beruf der Tierärztin und meine berufliche Karriere stand fest.

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