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FORSCHER BESCHREIBEN EINE NEUE MENSCHENAFFENART IN SUMATRA Einer von noch knapp 800 verbleibenden Tapanuli-Orang-Utans im Regenwald von Batang Toru. Full view

FORSCHER BESCHREIBEN EINE NEUE MENSCHENAFFENART IN SUMATRA

Das Wissenschafts-Magazin Current Biology publiziert heute etwas, was es seit 1915 nicht mehr gab: Die Beschreibung einer neuen Orang-Utan-Art. Ein internationales Forschungsteam beschreibt dies ausführlich in der eben publizierten Studie. Wir sind mit unserem Sumatra-Orang-Utan-Schutzprogramm SOCP wesentlich an dieser Forschung beteiligt. Deshalb setzen wir alles daran, die neue Art «Tapanuli-Orang-Utan», welche mit nur rund 800 Tieren nun die am stärksten gefährdete Grosse Mensschenaffenart weltweit ist, ganzheitlich zu schützen.

Bisher war klar, es gibt zwei Orang-Utan-Arten: Der Sumatra- und der Borneo-Orang-Utan. Heute wurde bekannt, dass eine dritte Orang-Utan-Art definiert wurde: Der Tapanuli-Orang-Utan. Er unterscheidet sich genetisch, verhaltensmässig und anatomisch von den anderen beiden Orang-Utan-Arten. Zu diesen Erkenntnissen gelangt ein internationales Forschungsteam mit Mitarbeitenden unseres Sumatra-Orang-Utan-Schutzprogramms und der Universität Zürich.

Der Tapanuli-Orang-Utan lebt im Batang-Toru-Ökosystem in der Provinz Nord-Sumatra auf der indonesischen Insel Sumatra. Der Lebensraum der Population ist ein schroffer, Hochlandregenwald, der nur noch rund 1100 Quadratkilometer gross ist. Erschreckenderweise sieht sich dieses Gebiet und damit auch der Lebensraum der Tapanuli-Orang-Utans mit zahlreichen Bedrohungen konfrontiert. Immer mehr Menschen lassen sich an den Rändern und sogar im Regenwald nieder. Viele sind sich nicht bewusst, wie wertvoll der Wald für sie ist und kennen weder die Grenzen des geschützten Gebiets, noch die bedrohten Tiere. Wilderei ist stark verbreitet und damit ein grosses Problem für den Tapanuli-Orang-Utan und weitere geschützte Arten, wie den Sumatra-Tiger und das Gürteltier. Ausserdem ist die Orang-Utan-Population bedroht durch eine Gold- und Silbermine im Südwesten des Gebiets und ein geplantes Wasserkraftwerk am südlichen Rand in einem Stück Primärregenwald mit der höchsten Dichte an Tapanuli-Orang-Utans. Zudem hat sich ein Holzschlag-Unternehmen bereits in den 1990er Jahren im Gebiet niedergelassen. Heute ist die Firma inaktiv, doch befähigt die für die Infrastruktur des Werks gebaute Strasse die Menschen, in den Batang-Toru-Regenwald vorzudringen.

Damit der meist gefährdete Grosse Menschenaffe der Welt eine Überlebenschance hat, muss dessen Lebensraum nachhaltig geschützt sein. Das Batang-Toru-Schutzprojekt, Teil unseres Orang-Utan-Schutzprogramms SOCP, zielt mit einer Forschungsstation, vielfältigen Informationsmassnahmen für die lokale Bevölkerung und Lobbying gegen die Landumnutzung genau darauf ab. Seit 2005 sind wir als einzige konstant aktive NGO in diesem Gebiet tätig und haben 2014 nach jahrelanger Lobbyingarbeit eine Änderung des Wald-Status erreicht. Heute sind 95% des Regenwalds als «Schutzwald» definiert. Doch die Fragmentierung durch oben beschriebene Infrastrukturprojekte schreitet voran. Für das Überleben der neuen Orang-Utan-Art ist es zentral, dass sich die bereits kleine Population durch Erstellung von «Wildkorridoren» austauschen und fortpflanzen kann. Wir bleiben dran – jetzt erst recht!

> Details zum Batang-Toru-Schutzprojekt
> Online-Spende für den Erhalt des Tapanuli-Orang-Utan