Bettlerskraut, Waldrebe oder Niele

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Flora & Fauna Schweiz
Mit ihren windenden und rankenden Lianen bringt die Gemeine Waldrebe Dschungel-Stimmung in die Thurauen. Der auch als Bettlerskraut bekannte Kletterstrauch dient verschiedensten Tieren als Nahrung oder Unterschlupf und wird auch von uns Menschen genutzt – nicht nur zur Fassadenbegrünung.

Vom Nielen-Rauchen

Obwohl es niemandem richtig geschmeckt hat, ist es doch für viele von uns eine klassische Kindheitserinnerung  – das Niele-Rauchen. Bei den verwendeten Pflanzenteilen handelt es sich um die Lianen der Gemeinen Waldrebe (Clematis vitalba), eine der wenigen in der Schweiz heimischen Kletterpflanzen.

Zuhause in feuchten Wälder

Die Gemeine Waldrebe bevorzugt mässig feuchte bis feuchte Wälder und ist daher auch in den Auenwäldern der Thurauen an vielen Orten anzutreffen. Sie ist sehr schnellwüchsig und kann so während der Vegetationsperiode bis zu zwanzig Zentimeter pro Tag wachsen. Ihre auch im Alter recht flexiblen Lianen erreichen Längen von über zehn Meter. Dank diesen Eigenschaften wird sie auch gerne zur Fassadenbegrünung genutzt.

Giftige Herkunft des Namens

Der Saft der Gemeinen Waldrebe ist jedoch giftig und kann auf der Haut Bläschen hervorrufen. Im Mittelalter rieben sich Bettler deshalb mit dem Saft ein, in der Hoffnung mit ihrem dadurch bewirkten Aussehen mehr Mitleid zu erregen und die Spendenbereitschaft der Bürger zu erhöhen. So lässt sich der Name «Bettlerskraut» erklären, wie er in manchen deutschsprachigen Regionen verwendet wird. Im englischsprachigen Raum ist die Pflanze als «Old man’s beard» bekannt. Grund für diese Bezeichnung sind die Früchte der Waldrebe, die an den Bart eines alten Mannes erinnern. Mit diesen «Barthaare» oder bei uns auch «Engelshaare»  genannten Flugorganen werden die daran befestigten Nussfrüchte vom Wind verteilt.

Wichtig für die Thurauen

In den Thurauen verbreitet die Gemeine Waldrebe mit ihren Lianen nicht nur optisch Dschungel-Flair, sondern ermöglicht auch einer Vielzahl von Tieren das Überleben. Vögel legen gerne ihre Nester zwischen den sich rankenden Lianen an, wobei die verholzten Teile der Pflanze sowie die vom Herbst bis ins Frühjahr an der Pflanze haftenden «Engelshärchen»  gleich als Baumaterial dienen. Diverse Pilze gehen mit der Waldrebe eine Symbiose ein und für verschiedenste Insekten ist die Waldrebe lebensnotwendig. Ein Beispiel dafür ist das Waldreben-Fensterfleckchen, dessen Raupen sich ausschliesslich von den Blättern der Gemeinen Waldrebe ernähren. Auch Bienen und Hummeln bedienen sich gerne am Blütenstaub der Pflanze und kleine Säugetiere nutzen den Kletterstrauch gerne als Versteck.

Schauen Sie also beim nächsten Besuch in den Thurauen genau hin. Dies lässt vielleicht die eine oder andere Kindheitserinnerung wieder aufleben und mit etwas Glück entdecken Sie inmitten der Ranken sogar ein verlassenes Vogelnest.

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