Der erste Sperlingskauz

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Greifvögel Schweiz
Waldkäuze, Schleiereulen, Waldohreulen, Uhus – die Behandlung von Eulen ist unser tägliches Geschäft. Doch der Patient, der im Oktober 2019 kam, war bisher einmalig: ein Sperlingskauz.

Der erste Sperlingskauz

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Greifvögel Schweiz
Waldkäuze, Schleiereulen, Waldohreulen, Uhus – die Behandlung von Eulen ist unser tägliches Geschäft. Doch der Patient, der im Oktober 2019 kam, war bisher einmalig: ein Sperlingskauz.

Kleinste Eule Europas

«Eine Eule so gross wie ein Spatz», so kündigte man uns den Kauz an einem Dienstagmorgen telefonisch an. Vorsichtig begannen wir uns darauf einzustellen: Gemäss Beschreibung dürfte es sich wohl um einen Sperlingskauz handeln. Die Vermutung bestätigte sich ein wenig später. Bei dem rund 70 g leichten und mit einem Flügelmass von knapp 110 mm grossen Tier handelte es sich um ein Sperlingskauz-Weibchen. In der Greifvogelstation hatten wir in unserer über 60-jährigen Geschichte noch nie einen Sperlingskauz behandelt. Nach einer Erholungsphase wilderten wir den Sperlingskauz am 12. November 2019 erfolgreich wieder aus. Er blieb seither der einzige Patient seiner Art in der Station.

Verbreitung, Bestand und Lebensraum

Sperlingskäuze wurden in der Schweiz vor allem im westlichen Jura und in höheren Lagen des Alpenbogens beobachtet. Da die kleinste Eule Europas aber zum Beispiel in Frankreich auch im Tiefland gesichtet wurde, konnte ein Vorkommen im übrigen europäischen Tiefland nicht ganz ausgeschlossen werden.

Die Eulenart wird in der Schweiz als nicht gefährdet eingestuft. Man schätzt ihren Bestand auf etwa 800–2000 Paare. In der Regel leben sie in Nadelwäldern und bevorzugen dort Standorte mit genügend Totholz, damit sie in Baumhöhlen nisten können. Entgegen der Gewohnheiten der meisten hiesigen Eulen jagen Sperlingskäuze auch am Tag. Am liebsten fressen sie kleine Singvögel und Insekten, wie etwa Heuschrecken.

Beinahe unsichtbar

Wo liegt wohl der Grund, wieso wir bisher keine Sperlingskäuze in Behandlung hatten? Das mag zum einen daran liegen, dass das Zürcher Weinland nicht das Hauptverbreitungsgebiet der hübschen Eulen ist. Deswegen war es eine kleine Sensation, dass unser Patient aus Madetswil kam, einem kleinen Ort in der Nähe von Fehraltorf. Zum anderen ist es nicht ganz einfach, die kleinen Eulen in ihrem natürlichen Lebensraum zu entdecken. Die häufigste Eulenart in der Greifvogelstation Berg am Irchel ist nach wie vor der Waldkauz.

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