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EURASISCHES EICHHÖRNCHEN UND SIEBENSCHLÄFER – VERSCHIEDENE WINTERSTRATEGIEN

Wir stecken mitten drin: Im tiefen Winter. Die heimischen Tierarten haben verschiedene Strategien wie sie der Kälte und dem mangelhaften Futterangebot trotzen. Wir stellen euch diejenigen von zwei Thurauen-Bewohnern vor: Dem Eichhörnchen und dem Siebenschläfer.

von: Maria Rohrer und Annemarie Brennwald

Winterruhe – Eurasisches Eichhörnchen (Sciurus vulgaris)

Eichhörnchen sind tagaktive Nagetiere und gehören zur Familie der Hörnchen. Mit ihrem Körperbau sind die Eichhörnchen perfekt an die kletternde Lebensweise in Bäumen angepasst. Die Pinselohren und der lange buschige Schwanz gehören zu ihren Hauptmerkmalen. Das Rückenfell ist sehr unterschiedlich ausgeprägt und kann eine rötlichbraune bis braunschwarze Färbung aufweisen. Das Bauchfell hingegen ist immer weiss. Mit einem zweimaligen Fellwechsel, im Frühjahr und im Herbst, passen sich die Eichhörnchen den jeweiligen Aussentemperaturen an. Das Winterfell ist sehr viel dichter und dunkler gefärbt als das Sommerfell; die Haarpinsel an den Ohren sind im Winter länger als im Sommer. Bei uns leben die Eichhörnchen in Nadel-, Laub- und Mischwäldern vor allem in alten Baumbeständen mit geschlossenen Baumkronen. Aber auch in Friedhöfen, Parks und Gärten mit grossem verbundenem Baumbestand sind sie oft anzutreffen (Kulturfolger). Eichhörnchen bauen zum Schlafen und Ruhen tagsüber sogenannte Kobel, kugelige Nester aus Zweigen, Nadeln und Blättern, ausgepolstert und isoliert mit Blättern, Moosen und Gras. Meist werden mehrere Kobel mit mindestens zwei Aus- und Eingängen angelegt (Fluchtmöglichkeiten). Diese Nester findet man in Astgabeln auf ca. 5m Höhe. Als Fundamente für einen Kobel können verlassene Vogelnester dienen; ebenso wird in leeren Spechthöhlen genistet. Eichhörnchen sind Allesfresser. Knospen, Rinde, Baumsaft, Blüten, Flechten, Pilze aber auch Vogeleier, Jungvögel (Nesträuber) und Würmer gehören auf ihren Speiseplan. Die Zusammensetzung der Nahrung ist revierabhängig und verschieden je nach Jahreszeit.

Eichhörnchen sind während des ganzen Jahres aktiv und halten keinen echten Winterschlaf. In strengen Wintern allerdings kommt es aber vor, dass sie ihren wärmenden Kobel nicht verlassen. Sie drosseln dabei ihre Aktivität auf ein Minimum und halten Winterruhe, um Kräfte zu sparen. Sie treten in einen Zustand der Inaktivität. Während dieser Ruhephasen ist die Atmung und der Herzschlag langsamer, die Körpertemperatur wird aber nur um wenige Grad gesenkt. Der Energieverbrauch ist vermindert und somit auch der Nahrungsbedarf geringer. Eichhörnchen sind als Winterruher häufig wach und wechseln ihre Schlafposition. Da sie sich nicht wie andere Nagetiere einen Winterspeck anlegen, müssen sie diese Aktivitätsphasen nutzen, um einerseits Kot und Urin abzugeben und andererseits kleine Mengen Nahrung aufzunehmen. Diese holen sie sich anhand ihres Geruchsinns aus ihren angelegten Verstecken. Im Herbst nämlich legen die Eichhörnchen mehrere Depots mit Vorräten für den Winter an. Sie vergraben Samen, Nüsse, Zapfen und Pilze im Boden meist in der Nähe von Bäumen. Dabei wird immer gleich vorgegangen: ein Loch wird gegraben, Nahrung hineingelegt, das Loch zugescharrt, Erde festgedrückt und zum Abschluss mit der Schnauze nachgestossen. Oft verstauen sie ihre Nahrung auch in Astgabeln oder Rindenspalten. Im Kobel wird nichts gelagert. Meist erinnern sich die Eichhörnchen nicht an alle Verstecke, somit tragen sie beim Waldaufbau und der Naturverjüngung eine wichtige ökologische Rolle.

Winterschlaf – Siebenschläfer (Glis glis)

Siebenschläfer verschlafen den Tag und sind nachtaktive Nagetiere. Sie gehören zur Familie der Bilche (Schläfer), deren grösste Vertreter sie sind. Sie haben grosse Augen und abgerundete Ohren. Das Rückenfell ist graubraun, das Bauchfell jedoch fällt heller aus und kann sogar weiss gefärbt sein. Siebenschläfer tragen einen buschigen Schwanz und werden deswegen oft auch «Eichhörnchen der Nacht» genannt. Siebenschläfer sind an das Leben der Bäume angepasst, sehr geschickte Kletterer und daher selten auf dem Boden anzutreffen. Sie leben gerne in Wäldern mit alten Laubbäumen, mit viel Unterholz und Totholz mit Astlöchern und verlassenen Spechthöhlen. Siebenschläfer gehören zu den Allesfressern. Im Sommer ernähren sie sich vor allem von Knospen, Rinde, Früchten, Pilzen aber auch von Vogeleiern und Jungvögeln. Für den Winterspeck bedienen sie sich vor allem mit öl- und fetthaltigen Bucheckern, Eicheln, Haselnüssen und Kastanien.

Werden die Tage im Jahresverlauf kürzer, spielen der Jahresrhythmus der «inneren Uhr» und die damit verbundenen hormonellen Umstellungen der Tiere eine grosse Rolle. Zum Beispiel das Hormon Melatonin. Es wirkt als «Müdemacher» und ist mitverantwortlich für das Einsetzen des Schlafs. Diese Veränderungen beeinflussen unter anderem die Aufnahme von Nahrung und die damit einhergehende Schlafbereitschaft der Tiere. Siebenschläfer halten einen mehrmonatigen Winterschlaf. Dieser kann sieben bis zehn Monate dauern, daher die Namensgebung «Siebenschläfer». Als Schlafquartiere dienen Baumhöhlen, Wurzelstöcke, Felsspalten, Vogelnistkästen oder ein 60-100 cm tiefes, selbst gegrabenes Erdloch. In Siedlungsnähe kommen auch frostgeschützte Bauten in Frage (Scheunen, Ställe, Gartenhäuschen). Die Dauer des Winterschlafs kann dort je nach Temperaturbedingungen deutlich reduziert sein. Der Schlafplatz wird ausgepolstert und isoliert mit Blättern, Moosen und Rinde. Gleichzeitig wird er mit Vorräten bestückt, welche der Siebenschläfer kurz nach dem Aufwachen zu sich nimmt. Mit seiner typischen Winterschlafstellung reduziert der Siebenschläfer die Wärmeabstrahlung: er ist eingerollt und zugedeckt mit dem eigenen Schwanz. Sie stellen ihre normalen Aktivitäten vollständig ein, sind beinahe bewegungslos und reagieren nur schwach auf Aussenreize.

Der Torpor (lat. Erstarrung, Betäubung) ist die wirkungsvollste Energiesparmassnahme von endothermen Tieren; Tiere, welche ihre Körpertemperatur eigenständig regulieren können. Stoffwechsel- und Energieumsatzprozesse werden auf ein Minimum gesenkt und somit die Körperfunktionen auf Sparflamme gesetzt. Der Winterschlaf ist die extremste Form des Torpors. Physiologisch ähnelt der Torpor einem Schlafzustand, da Körpertemperatur, Herzschlag- und Atemfrequenz und die Stoffwechselrate stark gesenkt werden. Die Herzschlagfrequenz des Siebenschläfers wird von 300 auf 5 Schläge/Min. herabgesetzt. Seine Körpertemperatur sinkt auf ca. 5°C, was der ungefähren Bodentemperatur entspricht und die Atmung ist auf 1-3 Atemzüge/Minute verlangsamt. Sie kann dabei sogar für ein paar Minuten aussetzen. Der im Volksmund bekannte Winterschlaf ist also biologisch gesehen kein Schlaf, sondern besteht aus einer Folge von mehreren sogenannten Torporepisoden (torpor bouts). Eine Torporepisode umfasst den Eintritt in den Torpor, den tiefen Torpor (multi-day torpor bout), das Erwachen und die Wachphase. Eine solche Torporphase kann bis zu vier Wochen dauern.