Überlebensstrategie und Naturwunder

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Flora & Fauna Schweiz
Während nach frühen Theorien die Vögel am Grund von Seen überwinterten, schaffte ein verletzter Weissstorch im Jahr 1822 endlich für Klarheit: In dem in Deutschland gesichteten Vogel steckte noch ein Pfeil aus afrikanischem Holz. Dieser «Pfeilstorch» legte den Grundstein für die Erforschung des Vogelzugs. Doch wieso nehmen so viele Vogelarten überhaupt den gefährlichen Weg auf sich?

Überlebensstrategie und Naturwunder

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Flora & Fauna Schweiz
Während nach frühen Theorien die Vögel am Grund von Seen überwinterten, schaffte ein verletzter Weissstorch im Jahr 1822 endlich für Klarheit: In dem in Deutschland gesichteten Vogel steckte noch ein Pfeil aus afrikanischem Holz. Dieser «Pfeilstorch» legte den Grundstein für die Erforschung des Vogelzugs. Doch wieso nehmen so viele Vogelarten überhaupt den gefährlichen Weg auf sich?

Das kleinere Übel

Während das Nahrungsangebot im Brutquartier im Frühjahr genügend gross ist, um Jungtiere aufzuziehen, entsteht im Winter eine so grosse Nahrungsknappheit, dass sich der risikoreiche Weg in wärmere Überwintergebiete für viele Vogelarten lohnt. Dort wiederum ist die Konkurrenz durch den grossen Ansturm so gross, dass im Frühjahr nicht genügend Nahrung für die Aufzucht der Jungtiere vorhanden ist – der Rückzug ist nötig.

Zugrouten verschiedener europäischer Vogelarten. Quelle: https://www.madiba.de/blog/zugvoegel-im-winter/

Gewusst wie

Wie sich die Vögel unterwegs orientieren, ist noch immer nicht vollständig geklärt: Hauptsächlich dienen dazu wahrscheinlich das Erdmagnetfeld, Sternenhimmel und Sonnenstand sowie das Merken von zahlreichen Landmarken wie Flüsse oder Gebirge. Während manche Jungvögel den Weg von ihren Eltern lernen, ist er bei anderen genetisch verankert: Der Kuckuck beispielsweise findet den richtigen Weg auch, wenn er von nichtziehenden Vogelarten aufgezogen wurde.

Rekordverdächtig

Um möglichst früh am Ziel anzukommen, werden wahre Meisterleistungen vollbracht: Die längste ohne Unterbrechung geflogene Strecke, die jemals gemessen wurde, wurde durch eine Pfuhlschnepfe zurückgelegt: Sie flog im Jahr 2020 in 224 Stunden über 12‘000km ohne Pause. Durchschnittlich fliegen Zugvögel immerhin etwa 300 Kilometer pro Tag.

Flussregenpfeifer – Dieser kleine Vogel legt jährlich über 10‘000km zurück.

Zugvögel brauchen unsere Hilfe

Nicht alle Zugvögel verfolgen dabei die gleiche Zugstrategie: Während einige Arten als Kurzstreckenzieher nach Südeuropa oder Nordafrika ziehen, brechen die Langstreckenzieher auf eine mehrere tausend Kilometer lange Reise auf. Einer davon ist der in den Thurauen brütende Flussregenpfeifer: Schon Mitte Juli machen sich die ersten Tiere auf den Weg, um rechtzeitig in ihrem Überwinterungsgebiet südlich der Sahara einzutreffen. Doch nicht alle werden auch am Ziel ankommen. Die durch natürliche Hindernisse ohnehin schon beschwerliche Reise wird durch menschliche Einflüsse wie Bebauung oder Lichtverschmutzung erschwert. Um die Zugvögel auf ihrer anstrengenden Reise zu unterstützen, ist es deshalb besonders wichtig, die Rastgebiete zu schützen. Doch auch im kleinen Rahmen kann viel unternommen werden: Vermehrtes Löschen von Lichtern erleichtert die Orientierung der Vögel, Bekleben von Fenstern verhindert Kollisionen und ein naturnaher Garten mit grossem Nahrungsangebot liefert die notwendige Energie.

Vogelzug erleben

Wer den Vogelzug live erleben und zusätzlich viele spannende Informationen erhalten möchte, ist herzlich eingeladen, am ersten Oktoberwochenende am EuroBirdwatch teilzunehmen. In den Thurauen findet man am 2. Oktober von 10 bis 16 Uhr einen der zahlreichen Beobachtungs- und Informationsstände. Mit etwas Glück können hier sogar noch die letzten Flussregenpfeifer beobachtet werden!

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