Neue Studie zeigt: Gefährliche Abnahme der Orang-Utan-Population

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Forschende auf Sumatra warnen in einer soeben veröffentlichten Studie davor, dass die Anzahl wild lebender Orang-Utans auf Sumatra weiter gesunken ist und dies die Tiere noch näher an den Rand des Aussterbens bringt. Insbesondere bei den 2017 neu beschriebenen Tapanuli-Orang-Utans gefährdet die hohe Sterberate in Bezug auf die Populationsgrösse das Überleben der Art.

Neue Studie zeigt: Gefährliche Abnahme der Orang-Utan-Population

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Forschende auf Sumatra warnen in einer soeben veröffentlichten Studie davor, dass die Anzahl wild lebender Orang-Utans auf Sumatra weiter gesunken ist und dies die Tiere noch näher an den Rand des Aussterbens bringt. Insbesondere bei den 2017 neu beschriebenen Tapanuli-Orang-Utans gefährdet die hohe Sterberate in Bezug auf die Populationsgrösse das Überleben der Art.


Die am vergangenen Freitag veröffentlichte Studie zur Populationsgrösse und -dichte der auf Sumatra lebenden Orang-Utans wurde von Wissenschaftler:innen unserer Partnerorganisation YEL im Rahmen unseres Sumatra-Orang-Utan-Schutzprogrammes (SOCP) in Indonesien durchgeführt. Die Studie zeigt, dass beide auf Sumatra bekannten Arten seit dem letzten Zensus im Jahr 2011 zurückgegangen sind. Die Wissenschaftler:innen sammelten von 2021 bis 2023 Daten über die gesamten Verbreitungsgebiete beider Arten in den Provinzen Aceh und Nordsumatra, die sich mit der Erhebung von 2011 vergleichen lassen. Sowohl der Sumatra-Orang-Utan (Pongo abelii) als auch der Tapanuli-Orang-Utan (Pongo tapanuliensis) waren bereits nach bisher bekannten Zahlen stark vom Aussterben bedroht.


Nun hat sich die Situation weiter verschärft. Die Anzahl der Sumatra-Orang-Utans beträgt gemäss der Erhebung neu nur noch 11’694 Individuen. Dies entspricht einem Rückgang von 19.5% über elf Jahre, also ungefähr einer Abnahme von 1.8% pro Jahr. Für den Tapanuli-Orang-Utan stellt die Studie die erste systematische Populationserhebung dar; mit 716 Individuen hat die Art keinen demografischen Puffer gegen zusätzliche Mortalität.

In der Studie wird der Bestand der Sumatra-Orang-Utans auf 11’694 Individuen geschätzt – ein Rückgang von 19.5 % seit der letzten Studie aus dem Jahr 2011.

Begünstigende Faktoren für das Vorkommen von Orang-Utans sind gemäss der Studie primär eine förderliche Waldstruktur und eine tiefe Bevölkerungsdichte. Der Verlust von Waldflächen erklärt 76 % in der Populationsänderung über das gesamte Verbreitungsgebiet. Zwischen 2011 und 2023 gingen innerhalb des Verbreitungsgebiets insgesamt 94’399 ha Wald verloren (entspricht etwa der Fläche des Kantons Thurgau, oder 10 x der Stadt Zürich), was 4,6 % des Ausgangsbestandes entspricht. Die jährlichen Verlustraten sanken zwar in den Jahren 2011–2016, stiegen jedoch ab 2023 wieder an. Mit einer Abholzungsrate von 50,9 % der Waldfläche von 2011 war der Waldverlust im Torf-Sumpfwald von Tripa am höchsten; dies überwiegend durch die Umwandlung in Palmölplantagen.


In einigen Lebensräumen, insbesondere Batu Ardan und Siranggas, nahm die Anzahl Orang-Utans deutlich stärker ab, als es der Lebensraumverlust vorhersagen würde. Dies deutet darauf hin, dass der Rückgang der Tierpopulation in diesen Gebieten auch durch Todesursachen verursacht werden, die nicht mit dem Habitatverlust zusammenhängen: Tötungen, illegaler Wildtierhandel und Mensch-Tier-Konflikte auf Agrarflächen. Ihre langen Reproduktionsintervalle mit der damit verbundenen langen Entwicklungsphase bis zur Fortpflanzungsfähigkeit bedeuten zudem, dass selbst eine moderate zusätzliche Sterblichkeit die Populationen in Richtung Aussterben treiben kann. Expert:innen schätzen, dass allein die durch das Töten verursachte jährliche Sterblichkeitsrate die nachhaltigen demografischen Schwellenwerte für beide Arten zusammen deutlich übersteigt. Zusammen mit dem Lebensraumverlust macht dies ein entschiedenes Handeln aller Beteiligten dringender denn je.

Jedes Tapanuli-Orang-Utan-Baby gibt Hoffnung, dass ihre Art überlebt.

Mit 716 Individuen sind Tapanuli-Orang-Utans akut anfällig für zufällige (Natur-) Ereignisse, genetische Engpässe und die fortschreitende Fragmentierung des Lebensraums. Zu den spezifischen Bedrohungen der Art gehören momentan ein Wasserkraftprojekt, das ihr Verbreitungsgebiet fragmentiert, eine Goldmine und landwirtschaftliche Umwandlung von Waldflächen. Eine weitere Abnahme der Populationsgrösse erhöht das Aussterbe-Risiko enorm. Naturschutzmassnahmen sollten deshalb darauf abzielen, die zusätzliche Sterblichkeit auf null zu reduzieren.


In Indonesien sind Orang-Utans geschützt. Die Wälder, in denen sie leben, haben jedoch unterschiedlichen Schutzstatus. In den nach indonesischem Recht am strengsten geschützten Gebieten, den Kawasan Konservasi, leben 38,5 % der Sumatra-Orang-Utans und 9,5 % der Tapanuli-Orang-Utans, in den geschützten Wäldern, Hutan Lindung, 43,4 % bzw. 78,6 %. Die übrigen Tiere leben in Produktionswäldern und anderen Nutzungsgebieten, wo der Lebensraumschutz nicht ideal ist. Allein die Ausweisung als Schutzgebiet reicht jedoch nicht aus: Anstrengungen zur Rechts-Durchsetzung, die Wiederverbindung zwischen fragmentierten Teil-Populationen und gezielte Massnahmen in ungeschützten Gebieten müssen intensiviert werden, um einem weiteren Rückgang entgegenzuwirken.

Das Batang Toru-Schutzgebiet: Hier leben gemäss der neusten Studie nur noch 716 Individuen der stark vom Aussterben bedrohten Tapanuli-Orang-Utans.


Während unsere Anstrengungen für den Natur- und Artenschutz in Indonesien gemeinsam mit unseren Partnerorganisationen sowie zusätzliche Massnahmen von offizieller Seite den Rückgang in einigen Regionen messbar verlangsamt haben, waren sie nicht ausreichend, um den Schwund der Orang-Utan-Populationenzu stoppen.

Für uns bedeutet dies, dass unser Engagement dringender nötig ist denn je. Mit unserem ganzheitlichen Ansatz zum Regenwaldschutz, der Zusammenarbeit mit der lokalen Bevölkerung und Regierungsstellen sowie der Pflege und Auswilderung aus Gefangenschaft befreiter oder verletzter Orang-Utans tragen wir direkt zur Erhaltung der Art bei. An zwei geeigneten Standorten in Waldschutzgebieten bauen wir zusammen mit YEL und der Frankfurter Zoologischen Gesellschaft zwei neue, genetisch variable und somit überlebensfähige Orang-Utan-Populationen auf. So können wir den Rückgang zumindest verlangsamen und in Zukunft hoffentlich ganz aufhalten.

Quelle: Adhi N. Hadi, Julius P. Siregar, Nunu Anugrah, Wanda Kuswanda, Joy H. Boang Manalu, Nursaniah Nasution, Rahmad Fauzan, Novita K. Wardani, Subhan, Ujang W. Barata, Dede A. Rahman, M. Yakob Ishadamy, Susandro F. Sitorus, Noviar Andayani, Jatna Supriatna, Serge Wich, Hjalmar S. Kühl, Benjamin J.W. Buckley (2026). Population status of Sumatran and Tapanuli orangutans: A comprehensive assessment 2021–2023, Global Ecology and Conservation, Volume 69, 2026.

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