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Der Orang-Utan

Der «Waldmensch», oder wie wir ihn kennen Orang-Utan, ist eine Gattung der Menschenaffen, die aus drei Arten besteht und nur in Asien vorkommen. Diese grossen Baumbewohner ernähren sich vor allem von Früchten und müssen für diese weit im Regenwald umherstreifen. Die meiste Zeit verbringen sie alleine, nur Jungtiere und ihre Mütter bleiben für längere Zeit zusammen. Lebensraumverlust und die Wilderei setzen ihnen schwer zu, alle drei Arten sind stark vom Aussterben bedroht.

Verbreitung

Einst war der Orang-Utan weit verbreitet, vom Fusse des Himalayas bis auf die Inseln Sumatra, Java und Borneo. Klimawandel, Landwirtschaft und die Jagd dezimierten seine Verbreitung stark. Seit dem 17. Jahrhundert sind sie nur noch auf Borneo und Sumatra zu finden. Dort leben sie vor allem in Sumpfwäldern und in der Nähe von Flüssen bis 1500m über Meer. Die Anzahl Orang-Utans in einem Gebiet kann über das Jahr verteilt sehr unterschiedlich sein – je nach Nahrungsangebot.

 

Aussehen

Orang-Utans sind sehr einfach an ihrem zotteligen, rötlich-braunem Fell von den anderen Menschenaffenarten zu unterscheiden. Sie sind etwa 1.25 bis 1.5 Meter gross, Männchen wiegen zwischen 50 und 90kg, Weibchen mit 30 bis 50kg ungefähr die Hälfte. Allgemein kann man sagen, dass die Orang-Utans auf Sumatra etwas leichter sind als diejenigen auf Borneo. Orang-Utans sind sehr gut ans Klettern in den Baumkronen angepasst: Sie haben sehr lange Arme, bis zu 2.25 Meter Spannweite, jedoch nur relative kurze, aber sehr bewegliche Beine. Ihre Füsse sehen Händen sehr ähnlich, da die Zehen relativ lang sind und ihr grosser Zehen nahe an der Fusswurzel angebracht ist.

Dominante Männchen kann man gut an ihren ausgeprägten Backenwülsten und Kehlsack erkennen, diese helfen ihnen ihre Rufe zu verstärken und über weite Distanzen hörbar zu machen. Weibchen und nicht dominante Männchen besitzen keine derartigen Backenwülste. Überaugenwülste sind, im Gegensatz zu den anderen Menschenaffenarten, eher klein. Die hervorspringende Schnauze ist bei beiden Geschlechtern mit einem Bart versehen.

 

Lebensweise

Orang-Utans leben hoch oben auf den Bäumen des Regenwalds. Nur sehr selten kommen sie auf den Boden. Auf der Suche nach Früchten streifen sie tagsüber weit im Urwald umher. Die Nacht verbringen sie in einem selbstgebauten Nest. Orang-Utans sind selten in Gruppen anzutreffen, nur Mutter und Jungtier sind längere Zeit zusammen. Sie sind aber keineswegs strikte Einzelgänger: So können sich mehrere Orang-Utans an einem fruchttragenden Baum treffen, zusammen fressen und sogar als Gruppe zu der nächsten Futterquelle wandern. Neben Früchten stehen auch Blätter, junge Triebe oder Rind auf dem Speiseplan. Manchmal verzehren Orang-Utans auch Vogeleier, Insekten oder kleine Wirbeltiere.

In einer Orang-Utan-Population gibt es wandernde und ortstreue Individuen beider Geschlechter, welche sich stark in ihrer Lebensweise unterscheiden. Wandernde Weibchen und Männchen bewohnen keine festen Reviere und legen auf ihren Wanderungen riesige Strecken zurück. Wenn Weibchen ortstreu werden, suchen sie sich oft ein Revier das mit demjenigen ihrer Mutter überlappt. Männchen hingegen werden erst ortstreu, wenn sie sich gegen das ansässige dominante Männchen durchsetzen können.Diese sind gut an ihren ausgeprägten Backenwülsten zu erkennen.

Orang-Utans pflanzen sich nur sehr langsam fort; langsamer als alle anderen Tiere. Orang-Utan-Weibchen werden mit etwa sieben bis zehn Jahren geschlechtsreif und können nur etwa alle acht Jahre ein Jungtier gebären. Ein neu geborener Orang-Utan klammert sich für die ersten vier Monate seines Lebens an seiner Mutter fest. Bis zum Alter von etwa vier Jahren begleitet er seine Mutter und lernt von ihr alles, was man zum Überleben im Urwald braucht. Danach beginnt er sich immer weiter von seiner Mutter zu entfernen, bis sie sich ganz voneinander trennen.

 

Orang-Utan-Arten

Insgesamt gibt es drei verschiedene Orang-Utan-Arten: Den Sumatra-Orang-Utan (Pongo abelii) und den Tapanuli-Orang-Utan (Pongo tapanuliensis) auf der Insel Sumatra und den Borneo-Orang-Utan (Pongo pygmaeus) auf der Insel Borneo. Aus ursprünglich einer Art, spaltete sich vor 3.4 Millionen Jahren der Sumatra-Orang-Utan von dem gemeinsamen Vorfahren der Borneo- und Tapanuli-Orang-Utans ab. Später entwickelten sich die Orang-Utan-Population der Inseln Borneo und Sumatra in zwei separate Arten, nämlich die Tapanuli- und die Borneo-Orang-Utan.

Alle drei Orang-Utan-Arten sehen sich sehr ähnlich, die Unterschiede sind eher klein. Sumatra- und Tapanuli-Orang-Utans sind schmächtiger gebaut und haben helleres Haar als ihre Verwandten auf Borneo. Neben dem Aussehen, gibt es auch einige Unterschiede in ihrem Verhalten: Die Orang-Utans auf Sumatra halten sich z.B. weniger am Boden auf als diejenigen auf Borneo. Es wird vermutet, dass dies vor allem mit der Abwesenheit der Tiger auf Borneo zusammenhängt. Die Sumatra-Orang-Utans werden als allgemein sozialer beschrieben und Werkzeuggebrauch in freier Wildbahn wird bei ihnen öfters beobachtet als bei Orang-Utans auf Borneo.

 

Bedrohung

Alle Orang-Utan-Arten sind als stark gefährdet eingestuft. Die grösste Bedrohung der Orang-Utans stellt der Lebensraumverlust dar. Die Regenwälder der beiden Inseln müssen der Landwirtschaft weichen: Die Palmöl- und Holzindustrie verdrängt jährlich riesige Flächen Regenwald und somit auch deren Bewohner. Im Jahr 2012 wurde in Indonesien alleine 840‘000 Hektar Regenwald gerodet, eine Fläche grösser als der Kanton Graubünden. Nicht nur die Lebensräume der Orang-Utans verschwinden, der übrig gebliebene Regenwald ist meist in viele kleine Waldfragmente zerteilt, die den Orang-Utans zu wenig Platz bieten.

Neben dem Lebensraumverlust, macht auch Wilderei den Orang-Utans zu schaffen. Einerseits dringen Orang-Utans in Palmölfelder vor, da ihr Platz immer kleiner wird. Die Palmölbauern fürchten dann um ihre Ernte und jagen die Tiere. Junge Orang-Utans sind sehr beliebt auf dem Schwarzmarkt und werden dort zu hohen Preisen als «Haustier» verkauft. Um an ein Orang-Utan-Junges zu gelangen, wird in den meisten Fälle seine Mutter getötet. Die meisten Jungtiere sterben durch Stress während des Transports oder wegen Krankheit und Fehlernährung in Gefangenschaft. Da sich der Orang-Utan nur sehr langsam fortpflanzt, erhöht jeder getötete Orang-Utan das Risiko eines baldigen Aussterbens dieser Menschenaffenart enorm.

Diese Bedrohungen spiegeln sich auch in den Bestandszahlen wieder: Es wird angenommen, dass der Bestand der Sumatra-Orang-Utans in den letzten 75 Jahren um 80% eingebrochen ist. Heute schätzt man ihren Wildbestand auf nur noch 14’000 Individuen. Am schlimmsten steht es jedoch um den Tapanuli-Orang-Utan: Als die Art zum ersten Mal beschrieben und ihr Bestand geschätzt wurde, kamen wir nur auf rund 800 Individuen. Damit ist sie die meist bedrohte Menschenaffenart überhaupt. Unternimmt man nichts gegen die Regenwaldzerstörung und Wilderei auf Sumatra und Borneo, geht man davon aus, dass der Orang-Utan bis 2030 ausgestorben ist.

 

WARUM DEN ORANG-UTAN SCHÜTZEN?

Der Orang-Utan ist eine sogenannte «Schirmart». Orang-Utans haben sehr hohe Ansprüche an die Grösse und Qualität ihres Lebensraums, somit werden mit dem Schutz eines Orang-Utan-Gebiets nicht nur diese Menschenaffen geschützt, sondern auch alle anderen Tiere und Pflanzen, die ihren Lebensraum mit ihm teilen.

Doch so wie der Regenwald wichtig für den Orang-Utan ist, ist der Orang-Utan wichtig für den Regenwald. Er wird nicht umsonst «Gärtner des Regenwalds» genannt: Mit dem Hangeln durch die Baumkronen bricht er morsche Äste aus dem Blätterdach und ermöglicht so dem Licht bis auf den Regenwaldboden zu gelangen, welches wiederum von vielen selten Pflanzen im Regenwald benötigt wird. Auch verzehren sie jede Menge Früchte und somit auch deren Samen. Diese Samen werden dann mit dem Kot auf ihren langen Wanderungen ausgeschieden und dadurch weit im Regenwald verteilt. Vor allem Pflanzen mit grossen Samen oder Steinen sind auf den Orang-Utan angewiesen, denn ohne ihn können sich diese nicht ausbreiten. Orang-Utans tragen so erheblich zum Erhalt der Artenvielfalt in den Regenwäldern bei.