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BATANG TORU-SCHUTZPROJEKT

Das Batang Toru-Ökosystem liegt südlich des Lake Toba in der Provinz Nord Sumatra und ist Heimat der letzten knapp 800 Tapanuli-Orang-Utans – der bedrohtesten Grossen Menschenaffenart der Welt. Der Hochlandregenwald von Batang Toru steht stark unter Druck. Und mit ihm der Lebensraum der Orang-Utans und vieler anderer bedrohter Arten, wie der Sumatra-Tiger oder der Pangoline. Das Batang Toru-Schutzprojekt unter dem Dach des SOCPs kämpft seit 2005 mit Informationskampagnen und Lobbying-Arbeit für den Erhalt dieses wertvollen Ökosystems und der Tapanuli-Orang-Utans.

DIE WICHTIGKEIT DES BATANG-TORU-ÖKOSYSTEM

Eine im November 2017 publizierte Studie zeigt auf, dass sich der Tapanuli-Orang-Utan genetisch, verhaltensmässig und anatomisch von den vorher bekannten Sumatra- und Borneo-Orang-Utans unterscheiden. Mit der wissenschaftlichen Beschreibung dieser neuen Art ist das Bewusstsein für den Schutz dieser speziellen Orang-Utan-Population und ihres verbliebenen Lebensraums gestiegen. Nur noch knapp 800 Individuen des Tapanuli-Orang-Utans leben im Hochlandregenwald von Batang Toru. Breit angelegte Biodiversitätsstudien beweisen ausserdem, dass Batang Toru eine aussergewöhnlich reiche Flora und Fauna hat. 75 Säugetierarten konnten wir bei einer Studie erfassen – darunter 18, die auf der Roten Liste IUCN als bedroht oder sogar stark bedroht aufgeführt sind.

Der Batang-Toru-Regenwald ist zudem von ausserordentlichen Wichtigkeit für die Menschen, die rund um das Gebiet leben. Der Wald ist ihre Haupt-Trinkwasserquelle und ein Puffer gegen Überschwemmung und Erosion. Ausserdem spielt der Wald eine wichtige Rolle als Kohlendioxid-Speicher.

DIE BEDROHUNGEN

Zersiedelung und Wilderei

Eine grosse Bedrohung geht aktuell von der Zersiedelung und der verbreiteten Wilderei aus. Zwischen 2001 und 2010 sind fast 350 km2 Regenwald abgeholzt worden. Die Mehrheit der Eingriffe fanden in Gebieten statt, die eigentlich schon als Schutzwald deklariert waren, entlang einer verlassenen Holzfällerstrasse und nahe der Goldmine.

Goldmine

Im südwestlichen Bereich des Batang Toru-Regenwalds liegt eine Goldmine auf rund 16’300 km2. Die Tagbaumine führt zu Erdrutschen und gefährdet die Wasserversorgung der umliegenden Gemeinden. Die Mine gehört einer Hong-Konger Firma, welche in jüngster Vergangenheit begonnen hat, seine Aktivitäten auszuweiten.

Holzschlag

Die Firma PT Telus Pauli verfügt über eine Holzschlaglizenz für 3’200 km2 Wald, die bereits in den 90er-Jahre von der Zentralregierung vergeben wurde. Die Arbeiten sind aktuell eingestellt auf Grund starker Erosion, Erdrutschen und tiefem Holzertrag.

Wasserkraftwerk

Ein geplantes Wasserkraftwerk in der Schlucht des Batang Toru-Flusses stellt die aktuell grösste Bedrohung für den Tapanuli-Orang-Utan dar. Das Kraftwerk ist in einem Waldstück geplant, das die höchste Biodiversität des gesamten Ökosystems aufweist und wo 10% aller Tapanuli-Orang-Utans leben. Der Bau des Krafwerks würde den Regenwald weiter fragmentieren und dadurch das Überleben der Tapanuli-Orang-Utan auf’s Spiel setzen.

DIE AKTIVITÄTEN DES SCHUTZPROJEKTS

Seit dem Jahr 2005 engagieren wir uns zusammen mit unserem lokalen Partner YEL in Batang Toru. Mit folgenden Aktivitäten setzen wir uns dafür ein, das Batang Toru-Ökosystem zu schützen – zu Gunsten der lokalen Bevölkerung und der bedrohten Arten, wie der Tapanuli-Orang-Utan.

Lobbying

Jahrelange Lobbying-Arbeit mit der Lokal- und Distrikt-Regierung hat Ende 2014 Früchte getragen. Rund 95% des Batang Toru-Waldes wurde unter Schutz gestellt: Deren Status wurde als Dekret des indonesischen Forstdepartement von «Produktionswald» zu «Schutzwald» geändert. Ein grosser Erfolg! Leider sind nach wie vor einige sehr sensitive und wichtige Gebiete noch nicht geschützt, wie z.B. die Schlucht des Batang-Toru-Flusses in Süd-Tapanuli. Der dortige Primärwald weist die höchste Biodiversität des ganzen Batang Toru-Ökosystems auf und hat die höchste Dichte an Tapanuli-Orang-Utans.

Informations-Kampagne

In Zusammenarbeit mit der Lokalregierung haben wir in allen Dörfer entlang der Waldgrenze Informations-Anlässe durchgeführt. Die lokale Bevölkerung – mehrheitlich kürzlich eingewanderte Menschen der Insel Nias – wurden für den Schutzstatus des Waldes, die geschützten Arten und für die Wichtigkeit des Ökosystems sensibilisiert. Ausserdem wurden 100 Informationstafeln an strategisch wichtigen Standorten platziert.

Sozioökonomische Studie

PanEco/YEL hat zusammen mit lokalen Partnern Interviews mit über 2800 Personen in 18 Subdistriken um dem Batang Toru-Wald geführt. Die Studie hatte zum Ziel beurteilen zu können, inwiefern die Lebensrealität der lokalen Bevölkerung das Ökosystem beeinflusst. Die Studie zeigte, dass Wilderei eine ernstzunehmende Bedrohung darstellt: 80% haben geantwortet, im Wald zu jagen – mit Schlingenfallen, Luftgewehren und Hunden.

Forschungsstation

In der von PanEco/YEL betriebenen Forschungsstation im westlichen Teil des Ökosystems führen Wissenschaftler verschiedenster Universitäten Forschungen zum Verhalten der Orang-Utan und zur Biodiversität des Waldes durch.

AKTUELLER SCHWERPUNKT

Der Schwerpunkt unseres Engagements in Batang Toru ist es, eine weitere Fragmentierung der Population des Tapanuli-Orang-Utans zu verhindern. Bei nur noch knapp 800 Tieren ist dies überlebenswichtig für die Art. Wir arbeiten daran, Wildkorridore zu schaffen. Ausserdem setzen wir alles daran, das geplante Wasserkraftwerk im Primärregenwald der Batang Toru-Schlucht zu verhindern.

Ausserdem arbeiten wir eng mit dem Forstministerium zusammen, um die Überwachung und das Management des Schutzwaldes durch die neu eingesetzten «Forest Management Units» sicher zu stellen.