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UMSTRITTENES PALMÖL – DIE SCHWEIZ UND EUROPA WERDEN HELLHÖRIG - Eine Ladung Palmölfrüchte wird in eine Ölmühle gebracht. Ihr grossflächiger Anbau hat den Verlust der Artenvielfalt und des Lebensraums der lokalen Bevölkerung zur Folge. Foto: Peter Jaeggi Full view

UMSTRITTENES PALMÖL – DIE SCHWEIZ UND EUROPA WERDEN HELLHÖRIG

Indonesien ist der weltweit grösste Palmölproduzent: Auf einer Fläche so gross wie Deutschland haben Monokulturen den Regenwald verdrängt. Den Preis dafür bezahlen die Umwelt und die lokale Bevölkerung. Hautabnehmer sind die Industrienationen, so auch die Länder der EU und die Schweiz. Doch das Bewusstsein für diese Problematik wächst: Auf politischer Ebene gerät aktuell einiges in Bewegung!

von: Irena Wettstein

Schweizer Freihandelsabkommen droht die Nachfrage nach Palmöl zu steigern

Die Schweizer Wirtschaft drängt seit langem auf ein Freihandelsabkommen mit Indonesien und Malaysia. Diese beiden südostasiatischen Länder sind grosse, wachsende Volkswirtschaften – und die weltweit grössten Exporteure von Palmöl. Das umstrittene Palmöl ist der grosse Knackpunkt in den Verhandlungen zwischen den Ländern, die bereits seit einiger Zeit andauern. Doch letzte Woche gab es Neuigkeiten: Das federführende Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) gab bekannt, dass die Verhandlungen weit fortgeschritten sind und noch im ersten Quartal dieses neuen Jahres abgeschlossen sein werden.

Die Stiftung PanEco ist Mitglied einer Koalition von verschiedenen Umweltschutz-, Menschenrechts- und Konsumentenschutz-Organisationen sowie dem Schweizer Bauernverband, die sich in der Schweiz auf politischer Ebene dafür einsetzen, dass Palmöl nicht Teil des Handelsabkommens wird. Unser Ziel ist es, zu verhindern, dass Palmöl in Zukunft von Indonesien und Malaysia zollfrei oder mit stark reduzierten Zöllen importiert werden kann. Gelingt dies nicht, bedeutet das eine Erhöhung der Nachfrage nach Palmöl in der Schweiz und somit eine Zunahme des Verlusts des Lebensraums für unzählige bedrohte Arten und die lokalen Bevölkerung.

Die letzte Woche ausgesendeten Zeichen sehen gut aus. In einem 10vor10-Bericht von SRF sagt der zuständige SECO-Botschafter, dass eine Zollbefreiung beim Palmöl kein Thema sei und höchstens kleine Zollreduktionen in Frage kämen (siehe Link unten). Diese Aussage lässt hoffen. Für die Mitglieder der Koalition heisst das nun: weitermachen und den Druck auf die politischen Akteure erhöhen. Zu diesem Zweck hat die Koalition zwei indonesische Umweltschützer der Organisation WALHI eingeladen und sie mit Schweizer Politiker und Bauern zusammen gebracht. Es hat sich gezeigt: In Sachen Palmöl sind sich indonesische und Schweizer Kleinbauern einig. Die Nachfrage darf nicht weiter wachsen!

Verbot von Palmöl für Biodiesel vom EU-Parlament gutgeheissen

Auch in unseren Nachbarländern gerät in Sachen Palmöl einiges in Bewegung: Am 17. Januar, entschied das EU-Parlament in Brüssel mit einer überwältigenden Mehrheit, dass Palmöl in Zukunft nicht mehr in Tanks von Autos und Lastwagen fliessen soll. Die EU ist der weltweit viertgrösste Konsument von Palmöl und 46% des konsumierten Palmöls wird zu Biodiesel verarbeitet. Stimmen nach dem Parlament nun auch noch der EU-Rat und die EU-Kommission dafür, ist Palmöl in Biodiesel in allen EU-Ländern ab 2021 verboten. Dies würde einen markanten Rückgang der Nachfrage nach Palmöl zur Folge haben.

Diesem Erfolg ging eine jahrelange Debatte voraus. Unzählige Umweltschutz- und Menschenrechts-Organisationen in vielen EU-Ländern sammelten Hunderttausende von Unterschriften, schrieben offene Briefe und organisierten Informationsveranstaltungen. Dies alles um Politiker und die Bevölkerung für die Problematik um Palmöl zu sensibilisieren und damit eine genügend starke Stimme zu haben im Kampf gegen die wachsende Nachfrage von Palmöl.

> SRF-Beitrag in der Sendung 10vor10
> Artikel im Tages-Anzeiger